Anwalt für Menschen in Not – Rüdiger Schuch (Diakonie Deutschland)
Shownotes
Was hält eine Gesellschaft zusammen, wenn der Hass lauter wird? Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, hat darauf eine klare Antwort und eine, die bei ihm selbst beginnt. Als Theologe und Sozialmanager steht er einem der größten Wohlfahrtsverbände des Landes vor und macht aus seiner Haltung kein Geheimnis: Die Diakonie äußert sich nicht parteipolitisch, aber sie ist parteilich in der Anwaltschaft für Menschen, die in Not sind.
Im Gespräch mit Thomas Mühlnickel erzählt Rüdiger von seiner persönlichen Glaubensgeschichte und davon, dass Glaube für ihn nichts Selbstsicheres ist. Er spricht über die Momente, in denen ihn der Zweifel übermannt, über die Kraft des Zuhörens und darüber, warum Kompromissfähigkeit keine Schwäche, sondern eine demokratische Tugend ist. Es ist ein Gespräch, das zeigt, wie eng persönliche Verletzlichkeit und öffentliche Verantwortung zusammenhängen.
Rüdiger erklärt, warum die Diakonie dort einschreitet, wo die Würde von Menschen verletzt wird und was das konkret bedeutet, wenn Rechtsextremismus salonfähig zu werden droht. Er macht deutlich, warum Anwaltschaft für Benachteiligte kein politisches Bekenntnis zu einer Partei ist, sondern eine Grundüberzeugung des Glaubens. Und er benennt, wo für die Diakonie die roten Linien verlaufen, wenn jemand gegen diese Haltung verstößt.
Ein Gespräch über Glauben und Zweifel, Menschenwürde und Zusammenhalt, die Bürgergeld-Debatte und den gesellschaftlichen Rechtsruck und darüber, warum der Tod nicht das letzte Wort hat.
📌 Themen dieser Folge
0:00 Nicht parteipolitisch, sondern parteilich 2:07 Wer sind eigentlich „die Guten"? 3:52 Ruhrgebiet: Solidarität und sozialer Abstieg 6:45 Vom Pfarrhaus zur Berufung: sein Glaubensweg 13:27 Die unterschätzte Kraft des Zuhörens 17:00 Was die Diakonie wirklich leistet 19:15 Christliche Nächstenliebe – heute noch zeitgemäß? 23:10 Klare Haltung gegen Rechtsextremismus 27:29 Ehrenamt, das Sinn stiftet 31:06 Was ihn an der Bürgergeld-Debatte traurig macht 35:20 Konkurrenz oder Zusammenhalt der Wohlfahrtsverbände? 37:15 Kompromiss: die Königsdisziplin der Demokratie 43:20 Verunsicherte Demokratie in schweren Zeiten 48:21 Kirche und Diakonie: Wer braucht wen? 49:36 Glaube, Zweifel und die Würde des Menschen 54:18 Was ihm Mut macht – und der Blick auf 2050
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00:00:00: Also um das auch ganz ordentlich zu sagen, wir haben uns dabei nicht parteipolitisch geäußert sondern wir haben es dabei parteilich geäußert.
00:00:07: Nämlich in der Anwaltschaft für Menschen die in Not sind.
00:00:09: aber es gibt sehr viele Momente immer im Leben wo mich der Zweifel sehr stark auch übermannend.
00:00:18: Menschen die ihrer Würde verletzt werden In unseren Einrichtungen.
00:00:23: da müssen wir einschreiten und da schreiten wir auch ein.
00:00:26: Wie geht ihr damit um wenn jemand Der Angestellt ist bei der Diakonie schwer dagegen verstößt?
00:00:48: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Damit die Guten Gewinn, dem Interview-Podcast von ASK.
00:00:54: Ich bin Thomas Müllnickl und spreche hier mit Menschen, die mit ihrem Engagement etwas für unsere Gesellschaft tun.
00:01:00: Rüdiger Schuch ist mein heutiger Gast.
00:01:03: Er leitet eine der größten sozialen Organisation in Deutschland – Die Diakonie.
00:01:07: Rund sixhundertsiebzigtausend hauptamtliche Mitarbeitende, etwa dreiundreißig tausend Einrichtungen mehr als zehn Millionen Menschen die jedes Jahr von ihnen unterstützt werden.
00:01:16: Das sind Zahlen, die man erst mal sacken lassen muss.
00:01:19: Krudiger Schuch ist Pfarrer, Theologe und seit Januar vierundzwanzig Präsident der Diakonie Deutschland.
00:01:25: Er ist im Ruhrgebiet aufgewachsen hat als Berufsschulfahrer gearbeitet war superintendent in Hamm Hat eine große diakonische Stiftung geleitet und noch so einiges mehr in seinem extrem spannenden Werdegang gemacht.
00:01:36: Er sagt, das Fundament unserer Arbeit ist die christliche Nächstenliebe und die gilt allen Menschen.
00:01:42: In Zeiten in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt unter Druck steht, ist das ein Satz über den es sich lohnt zu sprechen.
00:01:48: Für mich war dieses Gespräch eine besondere Situation da ich selbst oft mit kirchlichen Institutionen hadere.
00:01:53: umso spannender war's für mich von Rüdiger zu erfahren wie er auf die Herausforderung unserer Zeit blickt.
00:01:59: Viel Freude beim hören!
00:02:06: Damit die Guten gewinnen.
00:02:07: Wer sind denn für dich, die Guten?
00:02:10: Wir haben glaube ich ganz viele Gute in diesem Land.
00:02:13: Am vergangenen Samstag am Ehrentag habe ich zum Beispiel am Containerbahnhof in Berlin ein guter erlebt, die Menschen von Obdachlosigkeit betroffen sind und die dort eine Notübernachtungsstelle haben, die sie ehrenamtlich und hauptamtlich begleiten hat sich da morgens um halb sechs aufgeschlagen bin gesehen habe, wie diese Menschen begleitet werden in den Morgen und wie sie dort ein Frühstück bekommen.
00:02:39: Das hat mich total beeindruckt.
00:02:41: Und die, die das machen, das sind für mich die Guten.
00:02:46: Ein paar Stunden später waren wir in einer kleinen Altenhilfeeinrichtung irgendwo im Brandenburg und dort habe ich fünf ehrenamtlich engagierte Frauen kennengelernt – ich glaube alle zumindest jenseits der der Sechzig Und manche schon über mehrere Jahrzehnte in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit und wie sie erzählt haben, wie Sie die alten Menschen begleiten.
00:03:09: Wie sie für Sie da sind übrigens auch bis hin zur Sterbebegleitung – auch das total eindrüblich!
00:03:15: Wir haben viele Menschen, die Gutes tun in diesem Land und von daher haben wir viele Gute.
00:03:20: Das ist der Einsatz für andere Menschen?
00:03:22: Das ist Der Einsatz für Andere Menschen und das ist wahrscheinlich auch der Blick auf den Menschen, dass etwas gelingen soll in dieser Gesellschaft.
00:03:33: Und das hat immer auch was Reflexives, denn wenn ich anderen Menschen helfe oder für sie da bin dann glaube ich gibt es sehr viel Selbstwirksamkeitsgefühl und das ist auch glaube ich ganz wichtig um eine solche Arbeit dabei auf tun zu können.
00:03:47: Es ist ein berechtigtes Gefühl, wenn man sich selbst spürt wie man etwas tut und auch Gutes tut und damit etwas erreicht.
00:03:53: Ich glaube, das ist schon auch gut und es ist auch schön!
00:03:57: Du kommst ja aus dem Rohrgebiet gebürtig.
00:04:00: Hat das Ruhrgebiet mit dieser industriellen Geschichte, auch mit diesem besonderen Zusammenhalt, den es da immer gab?
00:04:07: Hat das deine Sicht auf Gesellschaft und Menschen geprägt?
00:04:12: Ich bin im Ruhrgebet groß geworden in den Sebziger- und Achtzigerjahren.
00:04:17: Das war schon der Zeit, die sehr stark davon geprägte, dass viele hunderttausend Industriearbeitsplätze weggefallen sind Ich auch in einem Stadtteil gelebt habe, wo ich selber mit Menschen im Beruhigung gekommen bin.
00:04:35: Wo der Vater arbeitslos wurde oder wo die Zukunft unsicher war und wo einerseits eine große Verbundenheit war nämlich den alten Geschichten über Bergbau und über Stahl.
00:04:47: Ein großes Gefühl der Solidarität und gleichzeitig ein Gefühl von Traurigkeit Verletztheit, dass diese Zeit vorbei geht und das mit dieser Zeit die vorbeigeht durchaus auch Armut- und soziale Ungleichheit eingezogen ist.
00:05:03: Und das habe ich schon damals in jungen Jahren schon auch intensiv wahrgenommen.
00:05:08: Ja.
00:05:16: Am neunten Oktober wird es abends eine Live-Folge im Rahmen der Zoom-Podcast Week in Düsseldorf geben.
00:05:26: Ich freue mich schon sehr auf diesen Abend mit vielen von euch im Publikum und ganz besonders freue ich mich auf meinen Gast, das wird kein geringerer sein als Michel Friedmann!
00:05:45: Wenn du Lust hast, am neunten Oktober in Düsseldorf dabei zu sein sind Karten ab sofort und dann zon-podcast-week.de.
00:05:54: erhältlich.
00:05:55: Ich hoffe wir sehen uns in Düsseldorff
00:06:08: In Bochum, dort wo ich aufgewachsen bin gespürt dass die Gemeinschaft untereinander gerade in Zeiten großer Bedrängnis einfach enorm wichtig ist und dieses Zusammenheitsgefühl Menschen hilft durch Krisen hin durchzukommen.
00:06:32: braucht auch die Politik, es braucht auch sozialpolitische Maßnahmen.
00:06:36: Es braucht wirtschaftspolitische Maßnahmen damit ein Region sich umstellen kann auf eine neue Zeit und in dieser Zeit müssen Menschen auch vom Staat begleitet werden.
00:06:45: also von daher würde ich immer sagen das braucht beides.
00:06:49: Du hast ja schon viel gemacht deinem Leben.
00:06:50: du bist
00:06:50: Fahrer,
00:06:51: Theologe super Internet gewesen Stiftungsvorstand jetzt bist du Präsident der Diakonie Deutschland.
00:06:57: was war der Moment in einem leben wo du merktest Ich gehe diesen Weg über den Glauben und gehe auch innerhalb der Kirche, dann eben einen weiteren Weg.
00:07:06: Bleib nicht sozusagen voraus da wo ich bin.
00:07:10: Zwei Fragen in Einschuldigung.
00:07:11: Das ist jetzt
00:07:12: eine
00:07:13: große Frage!
00:07:15: Also zur nächsten Mal muss ich sagen Ich bin einerseits im Fahrhaus mitten im Ruhrgebiet groß geworden Und ich habe eine Volkskirchlichkeit erkennen und lernen und leben dürfen.
00:07:29: Ich bin in einem Elternhaus großgeworden, das mich sehr freiheitlich erzogen hat und wo der Glaube immer eine doppelte Dimension hatte nämlich auf der einen Seite kann ja ein persönlich sehr viel Prost und Stärke geben aber auf der anderen Seite ist auch immer Auftrag auf den Nächsten zu gucken und mit dem Nächste zu gucken.
00:07:50: Das hat mich sehr geprägt dass ich Mein Glauben, der immer wieder auch durch Zweifel natürlich durchsetzt ist.
00:07:58: In Anführungsstrichen zum Beruf gemacht habe und mich entschieden ab Theologie zu studieren.
00:08:04: Da würde ich im Nachhinein sagen das hat weniger mit meinem Elternhaus zu tun gehabt als vielmehr mit einem Religionslehrer unter einem Religionunterricht, der mich über Jahre geprägt hat und wo für mich einerseits die Persönlichkeit des Religions-Lehrers mich unglaublich angesprochen hat und andererseits an die erste Theologie in der Schule herangeführt zu werden mit wahnsinnig spannenden Fragen über den Sinn des Lebens.
00:08:34: Und mich hat damals einfach gereizt, dieses Studium zu machen ob mich das dann in den Fallberuf führen würde?
00:08:41: Das war da noch eine zweite Frage.
00:08:46: Kannst du es mir erklären?
00:08:47: Also ich muss ganz ehrlich sagen... getauft.
00:08:51: Ich bin konfirmiert und dann irgendwann später aus der Kirche ausgetreten, nicht wie die anderen aus Geld gründen sondern weil ich nicht mehr so richtig wusste, bin ich da noch richtig aufgehoben?
00:09:00: entspricht das eigentlich meinem Glaubenssystem.
00:09:04: Kann man auch diesen Zweifel wieder zurückkommen?
00:09:06: Weil ich habe selber persönlich... Gott, ich meine es ist nicht so beichte hier aber ich will keinen... gibt's diesen Weg auch zurück?
00:09:12: wenn man in diesem Zweifelt ist und sagt irgendwie kann ich damit gerade nichts mehr anfangen.
00:09:16: was kann ich tun?
00:09:16: Weil Ich
00:09:22: habe sechs Jahre als Gemeindefahrer gearbeitet.
00:09:24: Und wenn man sechs Jahre lang junge Menschen im Konfirmandunterricht begleitet und dann konfirmiert, weiß man die werden ganz frei erst mal Nähe und Distanz zur Kirche für sich wahrnehmen.
00:09:42: gehen erstmal in eine abständige Rolle.
00:09:44: Und ich finde es ganz viel interessanter und spannender, als sich mit Fragen des Sinnes Lebens zu beschäftigen oder Gemeinschaft in der Kirche zu haben sondern dann vielleicht eher in einem Piers- und Sportverein usw.. Ich selber habe das ein bisschen anders erlebt.
00:10:01: Ich bin einerseits sehr geprägt durch Sportverein, durch Fußball aber andererseits eben auch durch Gemeindeleben und habe eine solche Phase des Abstandes eigentlich nie gehabt und habe eher im Theologiestudium für mich diese Frage gehabt ist die Kirche einen Ort wo ich mir vorstellen kann dauerhaft zu arbeiten aber auch in dieser Gemeinschaft zu leben?
00:10:25: Ich bin in einem Pfarrhaus groß geworden, da war sozusagen meine persönliche Lebenswelt fast deckungsgleich mit Kirche und mit Gemeinde.
00:10:33: Das ist schon auch eine besondere Situation.
00:10:36: aber dass man einen Glauben nicht einfach festhalten kann und irgendwie konservieren kann Das ist, glaube ich klar und deswegen gibt es Phasen wo man einfach sehr starke Zweifel hat.
00:10:50: Und diese Zweifle kenne ich auch und ich kenne sie eigentlich auch täglich weil ich mich täglich immer frage ist das woran ich glaube?
00:10:56: Ist das wirklich etwas was Anhalt hat?
00:10:58: Ich kann es nicht beweisen aber ich finde ganz viele Kraftquellen.
00:11:03: Aber es gibt sehr sehr viele Momente in meinem Leben Wo mich der Zweifl sehr stark auch übermandt und von daher kann ich das verstehen dass man Abständig wird.
00:11:14: Und dann ist ja die Frage, ist so eine Institution dies sowieso erst mal abstrakt?
00:11:21: Dann kann man sagen darauf kann ich vielleicht verzichten Aber ist das, was die Institution verflüssigt?
00:11:26: Nämlich zum Beispiel eine Kirchengemeinde oder irgendwie eine Bewegung auf einer kreiskierlichen Ebene.
00:11:32: Ist es eine Gemeinschaft in der ich genau diese Fragen, die mich beschäftigen und auch diese Ideen oder durchaus auch gesellschaftspolitischen Ideen, die ich habe, ist das ein Raum wo ich das leben kann und wo ich im Blick auch auf den Glauben reflektieren kann.
00:11:47: Und dann kann man glaube ich ganz gut auch wieder anknüpfen.
00:11:50: Vielleicht ist das echt eine Idee, diese Gemeinsicht nochmal zu suchen.
00:11:55: Mein Beispiel soll es nicht so leidig angehen hier stehen, aber ich bin dann eben irgendwann aus meiner Gemeinde weggezogen ins Studium und hab nie wieder...
00:12:04: Die nächste Gemeinde wo man hin sieht kennt man dich.
00:12:06: Genau!
00:12:06: Und da ist das erstmal auch ein großer Abstand.
00:12:10: Also diese Situation kenne ich ja auch.
00:12:14: Wenn man das Vertraute verlässt und das sehr stark mit dem einen Glauben verbindet dass sich das nicht so ohne weiteres wieder andockt.
00:12:21: Und dann ist es aber auf der anderen Seite wiederum auch spannend, diesen Glauben damit ganz andere Menschen plötzlich zu teilen.
00:12:28: Die in ganz andern Kontexten leben.
00:12:30: Das
00:12:31: ist ein Versuch wert!
00:12:34: Kommen wir zurück zu dir.
00:12:36: Pische für den Beate Hofmann sagt einmal über dich... Er bringt profunde Kenntnis in Diakonie, Kirch und politischer Arbeit mit Leidenschaft zusammen.
00:12:47: Es ist ja nicht nur glauben was deinen Job ausmacht jetzt schon gar nicht mehr.
00:12:51: also da ist immer noch Teil davon.
00:12:52: aber jetzt bist du wirklich Chef von einer sehr riesigen Organisation, hast sehr viel Organisationsthemen mit dabei.
00:13:00: Brauchst du auch diese Management- und Führungsaufgaben um glückliches Berufsleben zu haben?
00:13:09: Also ich bin in fünf Jahren super Intendent geworden und dann habe ich ja ein Diagonisches Unternehmen geleitet Und bin jetzt an der Spitze zusammen Mit Kolleginnen und Kollegen eines Wohlfahrtsverbandes.
00:13:24: und natürlich ist ist das Arbeiten in Führungsposition verbunden mit Management-Aufgaben, mit Überlegungen zur Organisationsentwicklung.
00:13:35: Das ist völlig klar und das begleitet mich seit vielen Jahren.
00:13:38: Es wäre eine falsche Vorstellung zu glauben dass in Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen da die Uhren völlig anders ticken sondern man braucht ein profundes Handwerk um verantwortlich Menschen führen und Organisation weiterentwickeln zu können und von daher ist es schon auch mein Handwerk darüber so nachzudenken.
00:13:57: Was war der beste Rat, den du jemals erhalten hast?
00:14:04: Ich glaube das ist nicht einfach zu beantworten.
00:14:08: Aber ich glaube dass für mich immer wieder ein guter Rat ist zuzuhören.
00:14:15: Wenn man in Leitungsposition ist und wenn man ganz viel über Themen weiß dann isst man in der Gefahr auf ganz viel zu texten und zu erzählen Und von anderen Menschen nur da Stichwort aufzunehmen und sofort loszulegen weil man ja sowieso alles weiß.
00:14:29: Und ich mache und das kann mir auch passieren.
00:14:33: Deswegen ist für mich das Zuhören unheimlich wichtig, deswegen bin ich auch viel unterwegs und will auch gerade vor Ort hören.
00:14:42: Wenn ich daran erinnert werde wenn ich ein Gespräch geführt habe und mir sagt jemand hinterher in der Reflektion was ein bisschen viel geredet dann weiß ich zuhören.
00:14:54: Das ist entscheidend.
00:14:54: von daher bin ich dankbar für einen solchen Ratschlag.
00:14:57: zuhörn.
00:14:59: Ich frag noch mal für ein Freund, der oft an Podcasts Mikros jetzt als Bigger gebucht wird.
00:15:05: Als Berater arbeitete Geschäftsführer ist und auch gewohnt es den ganzen Tag lang zu senden.
00:15:10: Hast du einen Trick?
00:15:12: Wenn dir das auffällt dass du eher in so viel senden gehst und nicht so sehr zuhörst wie du wieder zurück kommst?
00:15:20: Nein von einem Trick kann ich jetzt.
00:15:21: irgendwie muss ich jetzt drüber nachdenken aber ich glaube einen Trick habe ich nicht.
00:15:25: Aber ich erlebe es einfach wenn wenn das gegenüber von mir ins Erzählen kommt und nicht nur in das inhaltliche Beschreiben oder in das Argumentieren.
00:15:37: Das ist auch wichtig, aber wenn vor allen Dingen Erfahrungen mit einfließen dann ist es etwas wo es mir sicherlich leicht fällt zuzuhören weil mich das unglaublich interessiert.
00:15:48: wenn dass was Menschen denken sich verknüpft mit Lebenserfahrung und wenn die durchscheinen dann ist das eine riesen Chance einfach zuzujhren.
00:16:00: Und nee, ich hab keinen Trick.
00:16:01: Aber es gibt diesen berühmten Satz von einem Papst Johannes im
00:16:08: XXIII.,
00:16:09: der immer gesagt hat, Giovanni ist nämlich nicht so wichtig und ich finde das an diesem Satz wirklich auch noch mal hängt.
00:16:14: also... Nicht du bist entscheidend in dem Moment sondern das Gespräch was du fürs mit dem anderen.
00:16:20: Das ist sozusagen das warum wir hier zusammen sind und in diesem Gespräch liegt die Chance, liegt auf die Chance für die Zukunft sozusagen und nicht indem dass Du das jetzt hier machst.
00:16:29: Ich habe dir im Vorgespräch erzählt, dass ich viele Politiker berate.
00:16:34: Und das ist lustig!
00:16:34: Man merkt es da auch wirklich die richtig guten, die haben's gelernt zuzuhören.
00:16:40: Die brauchen das nicht wenn man in einem ernsten Gespräch ist oder wenn man eben auch über weitere Wegepläne und so weiter regelt.
00:16:46: Brauchen sie das nicht sich die ganze Zeit zu produzieren sondern dann sind die glaube ich sogar ganz happy wenn sie mal zeitweise schweigen können und zuhören können die das meistens sich ganz nach oben schaffen, sind alle den ganzen Tag nur reden und nichts anderes hinkriegen.
00:16:59: Aber da fehlt dann eben am Ende auch ein letzter Schritt des spannender Punktes.
00:17:03: Lass uns halt über die Diakonie reden!
00:17:05: Ihr seid einer der größten Arbeitgeber Deutschlands, sechshundertundzwanzigtausend hauptlamptige Mitarbeiter...
00:17:11: In der Weile wohl fünfzigtausenden Jahre, also so sechshundhalb, siebensechzig, sechsindach, siebzigtaussenten ist eine
00:17:16: Wahnsinnszahl.
00:17:17: Dreiunddreißigtauseinrichtungen mit eins Komma zwei Millionen Plätzen etwa.
00:17:22: Ihr unterstützt jährlich etwa zehn Millionen Menschen.
00:17:25: Ihr seid ganz schön groß!
00:17:27: Ja, die Diakonie als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege ist eine große Organisation aber jetzt soll man bitte nicht glauben dass ich eine Organisation mit sechshundert sieben-siebzig tausend Menschen leite sondern ich stehe an der Spitze eines Wohlfahrtsverbands und dieser Wohlfarzverband vertritt die Interessen der Menschen, für die wir uns in der Diakonie einsetzen und er vertreten natürlich auch die Interessen der Träger, die diese Arbeit täglich leisten.
00:17:59: Was ist so dein Arbeitsalltag?
00:18:03: Was hast du zu tun?
00:18:05: Außer im Podcast sitzen komische Fragen beantworten zu müssen!
00:18:09: Also mein Arbeitsalltag ist bestimmt durch unendlich viel Kommunikation.
00:18:14: ich rede viel mit Menschen.
00:18:15: Ich bin natürlich befasst mit sehr viel sozialpolitischen und gesundheitspolitischem Fragestellungen.
00:18:22: Ich bin mir fast mit gesellschaftspolitischem Fragestellung, ich bin sehr stark eingebunden in den Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern, mit Menschen aus Kultur, aus Wissenschaft auch... Es geht darum in dieser Tätigkeit Einerseits die Arbeit der Diakonie gegenüber der Gesellschaft, gegenüber der Kirche und gegenüber der Politik zu vertreten.
00:18:54: Aber vor allen Dingen geht es darum diese Gesellschaft gerade im gesundheitlichen und sozialpolitischen Bereich weiterzudenken und verantwortliche Strukturen mitgestalten zu können für Menschen, die sich uns anvertrauen in den unterschiedlichsten Situationen ihres Lebens, indem sie Unterstützung und Hilfe brauchen.
00:19:16: Das sind die größten Herausforderungen, die ihr aktuell zu bewältigen habt?
00:19:22: Der Herausforderung momentan sind viele!
00:19:26: Aber wir führen dieses Gespräch in einer Zeit, wo wir vom Frühling oder vom Mai der Reform sprechen.
00:19:35: Die Bundesregierung ist momentan dabei im Blick auf die Sozialversicherungssysteme neue Weichen zu stellen.
00:19:41: Wir haben Herausforderungen in der Pflege, wir haben Herausforderung im Gesundheitswesen und wir haben eine Herausforderung in der Arbeit für Kinder und Jugendliche und in der Eingliederungshilfe – das sind in der Tat alles Themen, die uns sehr stark beschäftigen!
00:19:55: Wir spüren momentan, dass der Sozialstaat enorm unter Druck ist.
00:20:00: Wir spühlen das für dieses Land sich so bewährte Prinzip der Subsidiarität.
00:20:07: Dass dieses immer weniger selbstverständlich wird – es wird von rechts außen angegriffen – aber auch aus der Mitte durchaus politisch angefragt.
00:20:14: Das sind viele Herausforderungen die wir
00:20:16: haben.".
00:20:19: Du hast mal gesagt, dass Fundament unserer Arbeit als evangelischer Wohlfahrtsverbandes die christliche Nächsten gebe und die gilt allen Menschen?
00:20:27: christliche Anspruch in der spekularen Gesellschaft noch zeitgemäß oder ist er sogar nötiger denn je?
00:20:38: Also ich glaube wirklich, dass dieser Sozialstaat eine besondere Dignität hat über die subsidiäre Arbeit, die wir machen.
00:20:47: Wir haben in diesem Land mehrere Wohlfahrtsverbände.
00:20:51: Diese stehen sozusagen jeweils für Ideen und Verwerte für dieses Land und die Diakonie Deutschland ist ein Teilbereich daraus.
00:21:01: Es sind sozusagen die evangelisch-christliche Stimme für Sozial- und Gesundheitspolitik Und von daher glaube ich dass mit diesen Wertefundament, das in meinen Augen ja den je momentan für diese Gesellschaft eine Bedeutung haben kann sind wir glaube ich wichtig auch wenn die Zahlen von Kirchen zu Gehörigkeit zurückgehen.
00:21:28: Wir merken ja weltweit dass Leute immer stärker orientierungslos werden viel geleitet werden vom Rattenfängern nenn ich sie jetzt mal und eben so ein bisschen auch ihr eigenes Wertefundament darüber verlieren.
00:21:42: Was können Leute wie du und ich denn dafür tun, dass wir hier einen bleibenden Starkwertekanon haben?
00:21:50: Das
00:21:52: sind wir nochmal beim Zuführen.
00:21:54: Ich glaube das viele Menschen heute nach Orientierung suchen weil sie für ihr Leben eine ganze Reihe von Fragen stellen und diese Fragen sind oftmals verbunden auch eine krisenhaften Situation, entweder persönliche Krisensituation oder eben auch gesellschaftspolitische Kriesensituation.
00:22:15: Und unser Beitrag kann es sein sehr genau hinzuhören wahrzunehmen und mit zu helfen Lösungsvorschläge und Lösungen zu finden.
00:22:27: Und zwar manchmal ganz praktisch sofort aber auch dann durchaus eben so dass sie irgendwann in politischen Normen sich formen lassen und dadurch Menschen nachhaltig gestärkt werden.
00:22:40: Ist das ein Teil der heutigen Medienlutzung?
00:22:43: Soziale Medien, die eigentlich auf Austausch beruhen sollen in Wahrheit aber fast nur noch so Sendungsplattformen sind wo jeder versucht seine Meinung durchzubringen und wenn er eine andere Meinung hat dann sagt du bist ein voll Idiot.
00:22:53: das sehe ich ganz anders sowieso unrecht.
00:22:56: Es ist die Art wie wir im Clickbaiting in den Medien hängen Wie auch oft Politik gemacht wird eben dass viel gesendet wird gesendete wird gesended wird zu wenige Formate mittlerweile uns gegenseitig zuzuhören?
00:23:11: Ich glaube, dass in der Tat die sozialen Medien nun keine Medien sind, die auf richtigen Dialog aufbauen und setzen.
00:23:19: Sondern da wird gesendet und da wird in großer Individualität gesendete.
00:23:26: aber ich habe bis vor allem auch den Eindruck das sozusagen dieses Medium ein Medium ist sehr stark aus der Vereinsamung kommt und in die Vereinsammlung führt.
00:23:36: Und pseudo-mäßig sozusagen zu Gemeinschaftsgefühlen führen kann, wenn man sich verleiten lässt vielleicht manche auch gerade extremen Positionen, die dann auch immer wieder algorithmismäßig aufgespielt wird zu hören, zu lesen und dann auch zu verinnerlichen.
00:23:52: also von daher halte ich die soziale Medien an der Stelle für keine gute Möglichkeit auch wenn sie stärken gehabt hat, auch in Zeiten der Corona-Sterne gehabt hat.
00:24:01: Man muss es differenziert sehen aber momentan sehe ich da eher Probleme.
00:24:07: Ich glaube wir brauchen in der Tat Formate wo wir als Gesellschaft gerade in Zeiten wo Meinungen sehr weit auseinander gehen und wo wir versuchen uns zu verstehen, zuzuhören und vielleicht sogar auch zu verständigen.
00:24:26: Gut das ist auch Formate wie dieses gibt wo man sich zuhören kann?
00:24:29: Ähm, ihr habt... ...zum dem Bundestagswahl.
00:24:34: Habt euch relativ klar positioniert gegen rechtsextremes Gedanken gut?
00:24:39: Ich finde das ja gut!
00:24:39: Aber ich vermute, ich war einer von denen die es gut fanden und wahrscheinlich gab's so eine Menge, die sagt dann seid ihr verrückt, dass ihr euch so klarpositioniert.
00:24:47: Was hat euch dazu gebracht, das trotzdem zu machen?
00:24:53: Die Diakonie hat in der Fragestellung seit vielen Jahren eine eindeutige Meinung.
00:25:01: vor Etwa zweieinhalb Jahren haben sich beide große Volkskirchen noch mal sehr stark mit ihrer Verhältnisbestimmung zur AfD auseinandergesetzt oder auch zu rechtsextremen Parteien und haben eine Unvereinbarkeit von christlichem Menschenbild auf der einen Seite, und auf der anderen Seite völkischem Nationalismus festgehalten.
00:25:24: Und wir als Diakonie sind natürlich durchaus gefragt was das bedeutet, wenn es sozusagen konkret wird.
00:25:32: Wenn es sich konkret gestalten soll bei diakonischen Angeboten und dazu habe ich mich auch klar verhalten.
00:25:41: Für uns in der Diakonie ist eines ganz wichtig – dass sich jeder Mensch, der sich uns in den Einrichtungen und Angeboten anvertraut, wo er herkommt, wie er lebt, wen er liebt wie er tickt, muss sich in unseren Angeboten angenommen und sicher fühlen.
00:26:03: Wenn wir das nicht gewährleisten können dann haben wir einen wesentlichen Auftrag als christlicher Wohlfahrtsverband verloren aber gleichzeitig eben auch innerhalb der Angebotstruktur die wir vorzuhalten haben.
00:26:18: dem wären wir da nicht mehr gerecht und deswegen positionieren wir uns eindeutig.
00:26:24: Menschen die in ihrer Würde verletzt werden In unseren Eindrechtungen müssen wir einschreiben und unterschreiten wir auch einen.
00:26:32: Ich finde das ein sehr wichtigen Punkt, weil zum einen ist es ein politisches Statement.
00:26:37: Zum anderen ist es aber eben auch ein Statement nach innen.
00:26:39: Ich war vergangener Woche auf dem Deutschen Stiftungstag und da gab's genauso eine Debatte rund um die Brandmauer wie positionieren sich Stifte?
00:26:46: Und da gab es auch die Meinung einerseits Wir sind keine Politiker warum sollten wir und anderer haben eben auch genau so gesagt Nach innen für die Projekte, die wir fördern wo wir das Geld hinstecken, wo unsere Mitarbeiter sind sollten wir uns schon als Stiftung jeweils positionieren.
00:26:59: Deshalb finde ich diesen Aspekt es auch zu trennen, dass nicht jede Positionierung einfach nur politisch-parteilpolitisch interpretiert werden kann oder gerade bei einer Größe die ihr habt auch nachinterpretiert werden können sehr wichtig, vielleicht muss man das sogar auch mal genauso erklären wie du es gerade getan hast.
00:27:14: Also um das auch ganz ordentlich zu sagen Wir haben uns dabei nicht parteipolitisch geäußert sondern wir haben uns parteilich geäußert, nämlich in der Anwaltschaft für Menschen die in Not sind und zwar völlig egal woher sie kommen und wer sie sind.
00:27:28: Das heißt unsere Angebote gelten wirklich allen Menschen und das müssen wir gewährleisten.
00:27:35: und deswegen ist es noch in der Tat entscheidend dass das Wertefundament sichtbar wird und gelebt wird von Mitarbeitenden, aber auch dass unsere Klientinnen und Klienten genau darum wissen.
00:27:50: Und deswegen ist so ein diakonisches Profil, deswegen ist es so ein Leitbild das auf dem kostlichen Menschenbild basiert für uns sehr wichtig und für alle Mitarbeiter als Orientierungsrahmen entscheidend.
00:28:02: Wie geht ihr damit um wenn jemand der Angestellt ist bei der Diakonie schwer dagegen verstößt?
00:28:12: Also ich persönlich setze dabei immer auf Gespräch, also zunächst einmal wirklich mit Menschen von denen wir das hören oder wissen ins Gespräch zu gehen und erstmal zu erfahren wie es zur solchen Positionierung kommt.
00:28:26: Und ein zweites ist wenn sich solche Positionierungen oder sicherheitsweise nicht ändern dann muss man immer im Einzelfall, aber man muss dann auch arbeitsrechtlich gucken.
00:28:38: Ob das wirklich noch mit den Grundsätzen der Diakonie vereinbar ist und ob es da nicht notwendig ist, arbeitsrechte Konsequenzen zu ziehen?
00:28:47: Ich finde das ein entscheidender Punkt, das nicht nur als Positionierung Sonntagsrede in Raum zu stellen sondern eben nachzuhalten und darauf zu achten dass die Werte auch gelten.
00:28:57: Dass man sich auch richtig darauf verlassen kann, dass jeder Geld ist.
00:29:00: wie sehr spannend Wenn man jetzt hört was ihr alles tut Und man kann das alles sehr gut finden, was ihr macht.
00:29:08: Wenn man euch jetzt unterstützen möchte.
00:29:10: Immer wieder diese Nachfrage von Leuten die uns zuhören oder zusehen und sagen, Mensch, das klingt total interessant!
00:29:15: Wie kann ich da eigentlich mithelfen?
00:29:17: Jetzt kannst du den großen Werbeblock ausrollen – wie kann man bei der Diakonie
00:29:20: mithelfen?!
00:29:22: Also du hast vorhin gesagt dass die Diakonie etwa dreinhalbzigtausend Einrichtungen hat Und in der Tat, es sind etwa momentan siebhunderttausend Menschen die sich ihren Amtlichen der Diakonie engagieren und wir freuen uns über jeden und jede, die dort mitmachen und mitteilfen wollen.
00:29:39: Das geht ganz niedrigschwellig.
00:29:41: man kann einfach in die nächste diakonische Einrichtung gehen, sich das anschauen gucken ob das was für einen ist vielleicht im Bereich der alten Hilfe oder im Bereich einer Eingliederungshilfe oder auch in der Arbeit Menschen mit sozialen Schwierigkeiten, die von Obdachlosigkeit betroffen sind.
00:29:57: Wir haben eine große Vielfalt von Angeboten und für viele ist da auch sozusagen das passende dabei.
00:30:06: Es gibt im Internet, wenn man die Diakon, die einklickt, auch Möglichkeiten, das sozusagen für sich durchzuscannen.
00:30:15: Wir freuen uns über Ehrenamtliches Engagement und wir kriegen immer wieder die Rückmeldung dass diejenigen, in diesen Bereichen engagieren und jetzt mache ich mal die Klammer auf, auch bei den anderen Wohlfahrtsverbänden.
00:30:27: Dass das einfach etwas ist was viel Freude, viel Sinnstiftung und und auch Stärke fürs eigene Leben bedeutet.
00:30:36: Und von daher lade ich gerne ein da sich zu interessieren und sich zu erkundigen.
00:30:43: Also niedrigschwellig heißt dann auch Ich kann auch sowas wie vorlesen zum Schachspielen kommen, also einfach kleine Sachen machen.
00:30:50: Also
00:30:50: wir sprechen hier nicht von einer fachlichen Pflege
00:30:52: z.B.,
00:30:53: ja also dafür gibt es Pflegefachkräfte die sind haupt angestellt sondern es geht darum in der Tat wenn jemand leidenschaftlicher Schachspieler ist und es gibt Menschen bei uns Unterstützungsbedarf haben und die aber auch gerne Schach spielen, mit denen Schach zu spielen oder vielleicht auch in den Stadtpark eine Runde spazieren zu gehen.
00:31:16: Oder es gibt ganz viele Möglichkeiten und das Ehrenamt ist häufig sehr stark daran orientiert was die ehrenamtlichen eben selber als besondere Gaben mitbringen.
00:31:27: also am Samstag als ich in dieser Altenhilfe Einrichtung in Kitzin in Brandenburg war damit zwei ältere Damen erzählt Dass sie einfach leidenschaftlich singen und dass sie in die Zimmer gehen.
00:31:38: Und wenn das gewünscht ist, von Volksliedern bis zu aktuellen Liedern vorsingen oder einladen zum Singen.
00:31:46: Da gibt es tausend verschiedenste Möglichkeiten wie man sich einbringen kann.
00:31:50: Wenn man das mit den eigenen Stärken und Leidenschaften verbinden kann, ist das glaube ich etwas sehr Schönes.
00:31:57: Ja aber dann macht's ja auch wirklich los.
00:31:58: Es ist keine Pflicht oder kein Muss was man dann hinter sich
00:32:01: bringt.
00:32:01: Nein, das ist keine Pflicht und kein Muss.
00:32:03: Man spürt sicherlich bei manchen Hilfe angeboten wie ernst die Notlagen der Menschen sind.
00:32:09: also wer am Container Bahnhof hier in Berlin wirklich beim Frühstück mit Obdachlosen dabei ist Der sieht einfach auch die Schattenseiten des Lebens Und das kann einen nach innen sehr berühren.
00:32:26: Das kann auch anstrengend sein Und es kann auch belasten sein.
00:32:33: Aber es kann eben dabei unglaublich sinnstiftend auch sein und deswegen ist es wichtig im Ehrenamt für sich das Richtige zu finden, auch das richtige Maß zu finden.
00:32:42: Und sich gut zu überlegen was will ich damit?
00:32:45: Will ich damit auch selber für mich weiterkommen, will ich einfach geben, will Ich meine besondere Fähigkeit die ich habe einfach zur Verfügung stellen?
00:32:53: oder will ich ganz neu auch etwas lernen?
00:32:56: Wille ich mich einfach ausprobieren?
00:32:58: der Möglichkeiten sind viel.
00:33:00: Was für Momente in eurer Arbeit machen dich so richtig traurig?
00:33:08: Richtig traurisch.
00:33:12: Ich würde sagen, ich würde es gerne so formulieren.
00:33:15: Also vieles momentan erfüllt mich mit Sorge.
00:33:20: Die Herausforderungen in vielen Hilfefeldern zum Beispiel in der Kinder- und Jugendhilfe werden größer.
00:33:27: Wir kommen aus einer Coronazeit wo viele Kinder die heute junglich sind eben noch Erfahrungen von Einsamkeiten mitbringen, Unsicherheit sich wieder neuen Gemeinschaft zu finden.
00:33:44: Die vielfältige Problemlagen ausgebildet haben.
00:33:48: und mich macht traurig und erfüllt mit Sorge wenn wir politisch momentan darüber nachdenken genau in diesen Feldern harte Kürzungen vorzunehmen.
00:34:00: Ich glaube, dass das nicht nur ein Fehler im Dick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft ist.
00:34:04: Sondern man macht einen Riesenfehler diesen Kindern und Jugendlichen nichts wirklich optimale Startmöglichkeiten fürs Leben zu geben.
00:34:15: Und Spardiskussionen, die darauf abzielen an der Stelle so ganz schnell darüber hinwegzugehen weil Kosten explodieren usw.. Das ist alles problematisch!
00:34:25: Das muss man diskutieren, das muss man politisch lösen.
00:34:29: Aber ich werbe wirklich sehr dafür, dem Dick nicht so schnell von Kindern und Jugendlichen abzuwenden.
00:34:35: Sie haben in der Corona-Zeit kaum eine Stimme gehabt aber waren mit die Hauptleidenden sozusagen in dieser Situation.
00:34:43: Das erfüllt mich mit Traurigkeit oder mit Sorge also Traurigkeiten.
00:34:47: Und genauso geht es.
00:34:48: auch habe ich das empfunden in der Diskussion, in der unsäglichen Diskussion über Bürgergeldempfänger jetzt Empfängerinnen und Empfängern von Grundsicherung geführt haben, dass es dort in der politischen Diskussion – und zwar fast egal, in welcher demokratischen Parteien man da geguckt hat.
00:35:07: Das ist so eine Art der Hermeneutik des Verdachtes gab ja die Menschen, die ruhen sich aus, sie wollen irgendwie nur Geld kassieren und wollen aber selber nicht sich wieder aktivieren lassen für den ersten Arbeitsmarkt.
00:35:18: Eine völlig verkürzte und eine völlig faktenfreie Diskussion, die da geführt wurde und das hat mich insofern mit Sorge erfüllt Weil wir, wenn sich solche Diskussionen manifestieren, Menschen am unteren Rand der Gesellschaft wirklich verlieren.
00:35:33: Und wir dürfen sie nicht verlieren, sondern im Gegenteil, wir müssen alles tun damit Sie wieder hinein finden in Gesellschaft in Teilhabe dass sie wieder zu Kräften kommen und auf den ersten Arbeitsmarkt bestehen können und ihr Leben aktiv gestalten können.
00:35:48: Da hilft eine Diskussion über Schuldzuweisung überhaupt nicht.
00:35:53: Ich finde es gehört sich nicht in bestimmten Ämtern nach unten zu treten.
00:35:57: Und da muss man wirklich aufpassen, auch seine Worte die man da wählt.
00:36:03: Ja das ist so und vor allen Dingen wenn man weiß man hat riesige Herausforderungen im Bereich des Sozialstaates eine Diskussion zu fokussieren auf wenigen Menschen und übrigens ja auch nur auf wenige Geldbeträge die dort letztlich so sparen sind.
00:36:19: aber So eine Art Neid-Debatte beziehungsweise einer Art Debatte zu führen, dass dort Missbrauch alltäglich ist.
00:36:28: Ist wirklich im Mehrfacherhinsicht toxisch.
00:36:33: Noch einmal ganz kurz zurück... welche Sachen machen dich denn glücklich bei euch in der Arbeit?
00:36:39: Ich bin ehrlich gesagt vor allen Dingen dann glücklich wenn ich eine unserer Einrichtungen besuchen darf und ich ja sofort und konkret irgendwie erleben darf wie Menschen aktiviert werden, wie sie neue Zukunftsperspektiven gewinnen.
00:36:53: Ich bin glücklich wenn ich Mitarbeiter erleben darf die in den unterschiedlichsten Hilfefeldern mit einer unglaublichen intrinsischen Motivation unterwegs sind einfach gutes bewirken wollen und unglaublich viel erreichen manchmal auch mit wenigen Mitteln unglaublich viele erreichen.
00:37:15: also das macht mich glücklich.
00:37:19: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das heute zu dir sagen würde.
00:37:21: Aber es ist wirklich sehr süßrötiger!
00:37:23: Man sieht wenn du vom Ehrenamt sprichst und von dem was du gerade siehst richtig so ein Glitz an in deinen Augen.
00:37:27: Das ist richtig schön.
00:37:29: Sehr sympathisch.
00:37:29: Ja vielen Dank.
00:37:30: Du hattest eben kurz über die anderen Wohlfahrtsverbände gesprochen in den Mehensatz.
00:37:36: Ich habe mir die Frage selber nie gestellt aber dir kann ich sie gut stellen.
00:37:39: Steht ihr in so einer Konkurrenz zueinander kooperiert?
00:37:42: Ja lebt ihr nebeneinander her weil die Anderen sind.
00:37:44: ja Caritas AWO gibt auch viele große andere noch.
00:37:48: Also zunächst einmal sind wir zusammengeschlossen in der Bundesarbeitsgemeinschaft der fallen Wohlfahrtspflege und wir tun gut daran, viele Dinge gemeinsam zu planen und gemeinsam politisch auch zu durchdenken.
00:38:01: Und das tun wir auch!
00:38:05: Ja, es gibt sicherlich auch Momente wo man einfach in der Ausprägung der eigenen Eigenheit auch eigene Wege geht und gehen muss und gehen will.
00:38:14: Und diese sind dann vielleicht nicht immer kompatibel sofort mit den anderen Verbänden und das ist so.
00:38:21: Ich glaube auch dass ein gewisser Wettbewerb dabei auch gut ist.
00:38:25: aber am Ende des Tages sind wir nur dann stark wenn wir zusammenhalten arbeiten wir, müssen wir täglich arbeiten.
00:38:33: Ich finde das uns insgesamt auch gut gelingt und es braucht jetzt unbedingt eine starke Wohlfahrt mit einer Stimme wenn es darum geht den Sozialstaat zukunftsfähig zu machen in der Phase wo eben über Reformen darüber nachgedacht wird zu sparen und womöglich auch Angebote zurückzufahren.
00:39:03: Und da braucht es eine gute Abstimmung, und das braucht kluge Ideen und ein konstruktives Beglei in der Politik.
00:39:14: Darf ich dich kurz bitten mir für ein Sesse zur Vervollständigung?
00:39:18: Ich hoffe, ich kann das!
00:39:19: Wir werden's jetzt gleich sehen... In der Öffentlichkeit beeindruckt mich derzeit.
00:39:25: Das ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach zu beantworten was beeindruckend mich momentan in der Öffnlichkeit.
00:39:35: Also, bisweilen beeindruckt mich Nervenlichkeit Auftritte ehemaliger Politiker wie zum Beispiel Bundespräsident Gauck oder auch andere die einfach mit großer Klugheit und Souveränität auf die aktuelle Politik gucken und uns Orientierung geben können.
00:40:01: Über Deutschland denke ich?
00:40:03: Viel nach!
00:40:06: Wir sollten mehr Wert legen auf
00:40:10: auf die Fähigkeit, Kompromisse zu schließen.
00:40:13: Ich vermisse sehr stark innerhalb des demokratischen Agierens dass diese Republik so stark geworden ist weil eigentlich immer klar war Politik gelingt dann wenn wir Kompromissenschmieden und wenn innerhalb der Kompromesse Mehrheits- und Minderheitenpositionen sich wiederfinden, und Kompromisse nie ein durchsetzender Stärkeren ist.
00:40:40: Sondern einen Finden von Positionen wo andere Positionen am besten mit aufgenommen und gesehen werden.
00:40:46: Das brauchen wir.
00:40:48: Der nachfolgende Generation rate ich?
00:40:54: Das finde ich eine unfaire Satz weil wenn ich ihr einen Rat gebe dann dass sie ihre Interessen formuliert und auch wirklich einbringt, denn diese Gesellschaft überallt hat.
00:41:11: Es ist schwierig für die nachvollenden Generationen eine klare und deutliche Stimme zu erheben – das brauchen sie aber!
00:41:17: Diese Stimme war zur Wahrheit der gegenwärtigen Politik gehört, dass die junge Generation eine Zukunft braucht und eine Zukunft muss sich so gestalten, Dadurch auch gerne bereit sind, diese Generationengemeinschaft zu leben.
00:41:36: Morgen wird besser als heuteweil?
00:41:41: Weil man wieder geschlafen hat und weil man zur neuen Kräften kommt und weil womöglich morgen auch die Sonne scheint und dann einfach es Spaß macht, wieder in den Tag zu gehen.
00:41:51: Danke dir für die fünf Vervollständigung!
00:41:54: Wir bachen gerade eine neue Serie offensichtlich auf, weil der Folge vor dir war Daniel Schreiber, der Autor hier zu Gast und er sagte auch bei der Frage nach von einer Generation Er war glaube ich kurz davor, mich zu beschimpfen dafür und sagte auch...
00:42:06: Was weiß ich nicht.
00:42:07: ...die sollte
00:42:07: uns lieber ein Rat geben.
00:42:09: Ja.
00:42:09: Das war tatsächlich... Warum haben wir den Kompromiss so verlernt?
00:42:16: Warum?
00:42:17: Ich glaub auf dieses Frage kann ich gar nicht antworten.
00:42:21: Ich stelle das einfach nur fest.
00:42:23: Und ich glaube vielleicht haben wir dem Kompromis die Bereitschaft zum KompromISS verloren weil wir Positionierung immer auch sehr stark jetzt mit Außendarstellung verbinden und weil zum Beispiel die sozialen Medien sozusagen dazu einladen, Positionen sehr stark polarisierend voranzutreiben.
00:42:47: Und dann bleibt nicht mehr viel Luft um nochmal die Gedanken des anderen wahrzunehmen diese auch zur Darstellung zu bringen.
00:42:56: Ich glaube das ist insgesamt eine Bewegung die sehr stark darauf abzielt dass die eine Position stark sein muss durchsetzungsfähig sein muss und man dann immer weniger nach links und rechts guckt.
00:43:09: Vielleicht hat es auch was damit zu tun, dass sich da Werte verschieben.
00:43:13: aber ich kann nur dafür werben wieder zur Kompromissfähigkeit zu finden.
00:43:18: ist das sozusagen die Königsdisziplin der Diakonie vielleicht auch oder der Demokratie?
00:43:28: Das demokratische System braucht genau dieses, gerade jetzt auch in schwierigen Zeiten braucht es die Fähigkeit Kompromisse zu fließen und wirklich Positionen, auch Minderheitenposition gut mitzunehmen.
00:43:41: Und damit auch gesellschaftliche Gruppen gut mit zunehmen und damit Vorsorge zu tragen dass sich Menschen abgehängt und nicht wahrgenommen fühlen.
00:43:51: das ist glaube ich wirklich wichtig momentan.
00:43:55: Gleichzeitig braucht's glaub ich auch uns alle als Stimmen in der Teil- und Öffentlichkeit, dass wir auch erklären, wenn man sich nicht zu hundert Prozent durchgesetzt hat, nicht gleich der volle Loser ist.
00:44:08: Weil das wird viel zu oft genau so in der Politik zur Zeit erwartiert.
00:44:12: Wenn man einmal irgendwas hergibt oder ein Kompromiss schließt, hat man ja etwas verloren von seiner Vollposition.
00:44:17: Wie kann man nur diese Vollposition aufgeben?
00:44:19: Ich finde es eine vollkommen übertriebene hysterische Debatte!
00:44:22: Ja, das ist einerseits so... Man darf sich nicht als Loser fühlen und sich selber glaube ich auch da nicht so bezeichnen, aber man darf eben auch wenn man sich nicht durchgesetzt hat die andere Position sofort skandalisieren.
00:44:37: Wir erleben ja momentan dass die großen Volksparteien immer weniger Volkspartei sind das was die CDU und was die SPD ausgemacht hat über viele Jahrzehnte war dass sich in den Parteien verschiedenste Position gefunden haben und innerhalb der Parteien ja selber auch eben Kompromisse sozusagen für gemeinsame Position gefunden wurden.
00:45:00: Das fällt immer mehr aus, das verlagert sich immer mehr in die gesellschaftliche und damit auch in die politische öffentliche Diskussion und dadurch geht ein bisschen Grundgefühl verloren, was ist eigentlich normal im Meinungsbildungsprozessen und wo werden Grenzen überschritten oder wo wird keine Rücksicht genommen?
00:45:20: Und das neu nochmal zu buchstabieren ist glaube ich wichtig.
00:45:26: Die Meinungsausgrenzung finde ich auch innerhalb von Parteien mittlerweile extrem gefährlich geworden.
00:45:33: Ich habe es in der SPD erlebt die ich näher begleite... Diese ganze Frage von wie geht man mit Russland um Kammernrichtung, Waffenstillstand kommen und so weiter.
00:45:42: Wo hier jede Äußerung die dazu mal gemacht wurde nicht dazu führte dass sie diskutiert wurde sondern das eigentlich sofort auch intern in der Mauer gezogen wurde von ja der Vollidiot was er zittern da gerade statt einfach sich eine Meinungsbildung selber auch zu gönnen eine Debatte zugönnt Haben wir keine Zeit mehr dafür?
00:45:58: Was ist los mit uns?
00:46:04: Natürlich ist die zeit schnelllebiger geworden.
00:46:08: Ich glaube aber dass die dass momentan die politischen Themen so groß und so gewaltig sind, dass sie uns alle – und da nehme ich mich wirklich nicht aus – verunsichern.
00:46:22: Und wenn man verunsichernd ist dann diskutiert man in der Regel nicht souverän sondern dann diskutieren wir natürlich mit seiner Emotionalität, mit seinen Ängsten auch vielleicht mit seinen Urteilen, die sich verbinden können dann auch schnell mit Vorurteilen Und dadurch wird automatisch eine Diskussion auch von der sachlichen Ebene zu einer kämpferischen Ebene, zu einer sehr emotionalen Ebene.
00:46:53: Das eine ist das erstmal wahrzunehmen und zu sagen, dass es einfach so.
00:46:56: Die Zeiten sind so.
00:46:58: Es geht uns alle so unmittelbar an.
00:47:00: der Krieg in der Ukraine geht uns unmittelber an weil wir eigentlich hier auch schon Kriegsgeschehen sind wenn man bedenkt was russische Politik auch hier versucht in diesem Land zu verändern.
00:47:12: Wir sind unmittelbaar betroffen im Blick auf die Herausforderung des Sozialstaates weil quasi in jeder Familie die Frage nach einer gelingenen Pflege gestellt wird.
00:47:21: Also wir sind an vielen Stellen sehr stark betroffen und diese Betroffenheit nehmen wir mit in die Diskussion.
00:47:27: Und das, an der einen oder anderen Stelle klug abzuschichten, dass man in guten Diskussionen parteipolitisch inner- parteipolitisches zu sein oder eben auch allein wenn man im Freundeskreis diskutiert... Ja da tun wir gut dran!
00:47:45: War das auch einer der Gründe warum du gerade diese Elder State Persons genannt hast?
00:47:48: Mit Joachim Gauck zum Beispiel die uns auch eine Einordnung geben können, weil sie nicht mehr in dieser hysterischen Alltagsdebatte hängen.
00:47:57: Die einfach nochmal einen anderen Gedanken geben können und sich auch trauen vielleicht ein bisschen breiter zu diskutieren und zu denken.
00:48:04: Mir fehlt Helmut Schmidt?
00:48:06: Ja ja also ich glaube das hat was damit zu tun.
00:48:13: Ich erlebe unsere jetzige Politiker-Generationen sehr stark dadurch geprägt dass bei den großen politischen Themen, die wir haben und wo man eigentlich auch politische Konzeptischmieden muss.
00:48:28: Die über Jahre sich entfalten vielleicht auch über Jahrzehnte sich entfalten.
00:48:34: Das ist zu diesen großen politichen Linien angesichts des sehr kurzen Wahlzyklus nicht nur vier Jahre im Bundestag oder fünf Jahre im Landtag sondern dazwischen liegen ja sozusagen immer Wahlen.
00:48:45: Wir haben jedes zweite Jahr quasi ein Superwahljahr vor die Wählerstimme gestellt wird und abgestraft für Positionen und für Entscheidungen, dass wenige nur noch den Mut haben sehr grundsätzlich an zum Beispiel Reform heranzugehen.
00:49:10: Ich glaube, das muss man auch erst mal konstatieren und sagen.
00:49:13: Das ist für Politikerinnen und Politiker eine ungeheuer schwierige Situation.
00:49:17: Und es ist sehr leicht, das eben so zu kritisieren und festzustellen.
00:49:22: Aber deswegen tut es vielleicht gut Menschen zu hören nicht nur die, die lange das politische Geschäft begleitet haben oder selbst gestaltet haben sondern eben auch andere zu hören, die mit einer gewissen Lebensweisheit oder auch mit einem gewissen Abstand auf Themen blicken können.
00:49:37: Das tut der Politik gut, das tut der Gesellschaft gut.
00:49:39: Das tut die Kirche gut und uns allen gut.
00:49:42: Ich
00:49:43: finde es darf ja auch bunt sein.
00:49:46: Ich fände es auch gut wenn wir starke, bekannte, wahrnehmbare Stimmen aus den Kirchen stärker noch hätten als es gerade der Fall ist.
00:49:55: Ich habe eben erzählt von dem Stiftungstag vergangenen Wochen in Hamburg, da gab's ein Interview einstündig mit Harpe Kerkelinge, von dem man nach vierzig Jahren im Fernsehen andere Dinge erwartet hat als was er neue Dings dann bringt.
00:50:07: unglaublich ernstes, klares Gespräch wo er auch einfach ganz viele politische Fragen sehr klar eingeordnet hat und die Leute waren dem extrem dankbar dafür dass er so klare Worte findet.
00:50:19: Ich glaube wir brauchen diese Stimme stärker
00:50:23: Ja und ich würde der Politik wünschen das sie wieder stärker das Augenmerk auf die Zivilgesellschaft richtet.
00:50:33: Wir haben unendlich viele tolle Menschen in diesem Land die uns mit ihren Ideen und dem, was sie tun wirklich bereichern können.
00:50:43: Und ich glaube das wirklich.
00:50:45: dieser Staat ist so stark geworden weil eben ganz unterschiedliche Menschen in die Lage versetzt wurden sich für die Gemeinschaft zu verbirglichen und darauf müssen wir setzen und die Politik darf nicht mit einem kritischen Auge auf Zivilgesellschaft schauen sondern Sie muss sie als hat es wirklich als Chance für die Zukunft begreifen.
00:51:09: Und dazu gehört zum Beispiel auch ein Harpe Kerkeling, der in der Tat einen ganz wunderbares Wertefundament hat von dem er aus uns viel zu sagen hat.
00:51:22: Also eine kleine Insiderfrage – wer braucht eigentlich gerade wen mehr?
00:51:25: Die Kirche oder die Diakonie oder die Kirche?
00:51:29: Das ist fast ne Fangfrage!
00:51:35: Die Diakonie kann nicht ohne Kirche, die Diakoni ist die Sozialgestalt der Kirche.
00:51:40: Wenn es keine Kirche mehr gäbe dann würden wir zwar auf einem christlichen Wertefundament weiterhin in Diakonie sein aber wir sind ausdrucksweise, wir sind Wäsensäußerungen von Kirche.
00:51:56: Ich glaube dass der Kirchen gut tut und das setzt sich auch immer mehr durch dass in all den Veränderungsprozessen, in denen die Kirche sich momentan befindet.
00:52:08: In einem Prozess auch des Kleinerwerdens aber doch einsichtbar wird.
00:52:13: diese Kirche wird in dieser Gesellschaft gewollt und gebraucht sehr stark wenn sie eine klare, eine eindeutige und eine diakonische Kirche ist also wenn Sie ein klares Wertefundament hat Wenn Sie bereit sind dieses Wertefundament auch in die Gesellschaft zu tragen und das zum Beispiel, in einer diakonischen Dimension.
00:52:36: Noch so eine Frage, aber wirklich offen und ehrlich gemeint ist – ich will es absolut hervorwenden sozusagen – brauchen wir anders?
00:52:44: Was kann der christliche Glauben uns hier in Deutschland mehr und stärker geben als andere Glaubensbekenntnisse können?
00:52:53: Der Islam, das Judentum
00:52:55: usw.?
00:52:59: Nichts!
00:53:00: Ich bin der festen Überzeugung dass der Christliche Glaube eine große Einladung ist, für sich persönlich Seenstiftungen zu finden.
00:53:10: Wen liegt es aber mehr?
00:53:12: Wen liegt das aber fern, das zu qualifizieren gegenüber anderen Religionen?
00:53:16: Das steht mir nicht zu!
00:53:18: Ich glaube, dass man in anderen Religions ganz genauso Erfüllung finden kann... Und die Frage, ob das letztlich dasselbe ist oder was ganz anderes ist.
00:53:25: Das sind philosophische Fragen, die können wir stundenlang... Ich habe Theologie studiert.
00:53:28: ja, wir können stundenlange darüber diskutieren aber für mich es entscheidend ein zweifaches, was stärkt den Menschen in seinem Leben?
00:53:38: Was bedeutet das im Blick auf das Leben und der Gemeinschaft, im Blick Auf Die Würde, die ein jeder Mensch hat die es ernst zu nehmen gilt und auch zu verwirklichen gilt.
00:53:51: Die Würde des Menschen ist auch unglaublich verletzlich, und Religionen qualifizieren sich für mich darin, dass sie wirklich diesen liebenden Blick auf den Nächsten haben.
00:54:02: Sie machen alle Fehler, Verwerfungen gibt es ohne Ende aber das ist grundsätzlich wichtig.
00:54:09: Ich persönlich habe das im christlichen Glauben gefunden.
00:54:11: ich bin einfach in diesem Glaubenhinein gewachsen Damit sehr kritisch auseinandersetzen, sogar auch wissenschaftlich damit auseinanderzusetzen.
00:54:21: Für mich bedeutet der christliche Glaube viel und das Besondere am christlichen Glauben ist dass er ein sehr offenes Verhältnis zum Zweifel hat.
00:54:30: Martin Luther hat mal gesagt also man jeden Morgen sozusagen neu aus dem Zweifelsumglauben sozusagen kommt und immer wieder auch über den Zweifeln sich dabei selbst reflektieren muss Und das kann ich nur bestätigen.
00:54:45: Ja, für mich ist Glaube wirklich nicht statisches, sondern es ist etwas Dynamisches und es richtet mich auf und esrichtet mich aus.
00:54:54: In dem Maße wie sich alles um uns herum auch einfach bewegt Menschen um sich um uns herum verändern sich die Gesellschaft verändert sich unsere Jobs verändern Sich da verändert sich natürlich auch in uns immer etwas mit.
00:55:06: Es wäre ja schlimm wenn wir Statische Lebewesen wären.
00:55:10: Wir wachsen und wir wachsen irgendwann noch nicht mehr.
00:55:13: Das finde ich, also zum einen danke dass du diesen mehr diesen stand gerade genehmigt hast diese blöde frage zu stellen oder die schwierige frage zur stelle und zum anderen ist ein super interessanten Punkt das es veränderlich ist und auch veränderlig sein darf Und nicht den glauben gibt so wie einem da eingepimpft wird oder eingepflanzt wird dann hat man den in deinem langen.
00:55:34: Also mir hilft das heute gerade extrem weiter.
00:55:36: Ich gebe dir mal ein beispiel.
00:55:38: also am k samstag waren wir als Familie zusammen und das ist was Besonderes, weil meine Töchter weit entfernt von mir leben und wie uns nicht so häufig sehen.
00:55:50: Und dann überlegt man schon – und das war in den vergangenen Jahren auch so – und dann überlegt man schon, geht man jetzt in die Osternacht oder genießt man nicht einfach jetzt die Zeit, die man gemeinsam hat?
00:55:59: Und außerdem, man kennt das ja und es ist echt wirklich so!
00:56:03: Und dann geht man in so einem Gottesdienst also ich, den ich dann in dem Moment auch nicht halten muss Hör ich Lieder, dann darf ich mich in diese Lieder hinein bergen.
00:56:13: Mit meinem Zweifel mit meiner Hoffnung und dann sehe ich wie im Dunkel dieser Kerze entzündet wird und dieses Osterlicht sich weiterentwickelt.
00:56:22: Und das gibt mir in dem Moment durch allen Zweifeln hin, wo ich plötzlich eine Möglichkeit in der Gesellschaft wieder ein Jahr auszusprechen Das kein Betäubtes, kein Erzwungenes ist sondern eines was irgendwie mich hier sein einfach ausrichtet und stärkt.
00:56:41: Und wenn dann der Pfarrer, in diesem Fall war es der Pfahrer sagt Christ ist erstanden und man antworten mit den Menschen die da waren erst wahrhaftig auferstanden Dann ist das ein Bekenntnis und dann ist das eine Hoffnung und dann liegt darin ganz viel dass der Tod nicht das letzte Wort hat auch im Leben Nicht das letzte wort hat Todeserfahrung sterbenserfahrungen Leiterfahrung Gebt mir dann überraschend, selber auch für mich.
00:57:06: Überraschent wieder Kraft und ich bin froh das ich hingegangen
00:57:09: bin.".
00:57:10: Ich finde es so wichtig dass wir diese Institution haben und wir müssen sie auch schützen weil da gibt's Trost, da gibt es Glauben, da gibts Unterstützung, da Gibts Seelsorge Und viele viele Menschen brauchen das.
00:57:23: also bin ich total froh wenn ich selber ja wie gesagt nicht mehr aktiv dabei bin.
00:57:27: Bin sehr froh dass es das gibt weil ich weiß wieviel menschen das was gibt und ich find das was du beschreibst ist Tolles Beispiel.
00:57:33: Danke, dass du uns da reingucken lässt.
00:57:35: Rüdiger zwei Fragen
00:57:36: noch?
00:57:37: Was macht dir Mut?
00:57:40: Mir macht Mut... Also die Zeiten sind schwer in denen wir momentan wirklich leben und mir macht Mut die Begegnung mit einzelnen Menschen, die sich jeweils in ihren Bereichen den Herausforderungen stellen also immer wieder Menschen zu erleben, die mit unglaublicher Begeisterung in ihrem Beruf sind.
00:58:01: In meinem Fall ist es oftmals eben jetzt im sozialen oder auch im gesundheitlichen Bereich und ich kann mich regelrecht manchmal an diesen, oder auch an Menschen die sich ehrenamtlich engagieren aufrichten.
00:58:16: Und das macht mir in der Tat Mut für die Zukunft.
00:58:19: Diese Gesellschaft hat eine Zukunft, weil sie einfach ganz viele wunderbare Menschen hat, die sich für andere Menschen einsetzen wollen.
00:58:26: Deshalb lebe ich diesem Podcast so sehr!
00:58:28: Ich treffe alle zwei Wochen für knapp eine Stunde Menschen, die sich engagieren.
00:58:33: Die sich einsetzen einfach gute Geschichten auch zu erzählen haben und einfach ihr Engagement und dieses Feuer hier auch immer weitergeben.
00:58:38: Und das ist... Also ich werde ja jedes Mal total beglückt!
00:58:41: Das ist für mich super.
00:58:44: Letzte Frage Du dachtest es wäre ein altes Kino?
00:58:47: Es ist in Wahrheit eine Zeitmaschine.
00:58:49: Wir fliegen jetzt zum Brandenburger Tor im Jahr zwei Tausend Fünfzig Steigende vorne aus der Tür wieder aus.
00:58:55: Was für ein Land sehen wir?
00:59:02: Erst mal, indem das Brandenburger Tor noch steht.
00:59:06: Wir sehen ein Land in dem die Menschen in einer sich weiterentwickelten liberalfreiheitlichen Demokratie leben.
00:59:17: Wir leben dann in einem Land, dass geprägt ist mehr von älteren Menschen und dass sich aber darauf weiterhin einstellt generationengerecht miteinander umzugehen.
00:59:31: Dieses Land ist lebenswert!
00:59:35: Danke dafür.
00:59:36: Und vielen lieben Dank für dein Besuch, damit ihr guten Gewinn rüber schlucht!
00:59:39: Das hat mich sehr gefreut, das war ein sehr bereicherndes Gespräch.
00:59:41: Danke dir!
00:59:42: Vielen
01:00:05: Dank!
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